Bei ebay ist mal wieder nach längerer Abstinenz ein C65 im Angebot. Es soll ja Leute geben die dafür ernsthaft mal 10000 € ausgegeben haben. Trotzdem, eine schöne Geschichte eines raren Gerätes.

Nicht ganz klar ist, warum Commodore den C65 entwickelte, da bereits 1986 mit dem Amiga 500 ein sehr ähnliches Gerät existierte. Vermutungen gehen dahin, dass der ungebrochene Erfolg des Commodore 64 einen dedizierten Nachfolger unumgänglich erscheinen ließ, da die Amiga-Serie nicht mit der Soft- und Hardware des 64ers kompatibel war.

Es wäre sicher ein Kaufargument für viele Benutzer gewesen, wenn sie die vorhandenen Gerätschaften sowie Programme weiterhin hätten benutzen können. Commodore hatte den Amiga jedoch quasi fast fertig entwickelt zugekauft.

Der Amiga war zunächst als Spielkonsole gedacht. Commodore änderte das Design bekanntlich in einen vollwertigen Homecomputer, welcher in zueinander kompatiblen Versionen auch für anspruchsvolle Büroanwendungen genügen sollte. Doch aus der Nische des Homecomputers fand der Amiga, mit Ausnahme professioneller Video-Anwendungen, nie wirklich heraus. Für den C64 brauchte man indes mehr eine Weiterentwicklung als einen Nachfolger. Die ersten Pläne zu dessen Entwicklung wurden bereits vor dem Erwerb des Amiga erstellt.

 

 

 

Merkmale

  • Prozessor: CSG 4510 („Victor“)
  • Taktfrequenz: 3,54 MHz
  • 128 KB ROM
    • enthält: C64 Kernel, BASIC 2.2, BASIC 10.0, DOS, Zeichensätze mit länderspezifischem Tastatur-Layout
  • 128 KB RAM, mit RAM-Karte erweiterbar auf bis zu 8 MB
  • Videochip: CSG 4567 („Bill“ oder VIC-III)
    • unterstützt alle Videomodi des VIC II
    • max. 256 Farben aus einer Palette von 4096
    • Textmodi mit 40/80 Zeichen × 25 Zeilen
    • Grafikauflösungen von 160 × 200 bis 1280 × 400 Pixel
    • Kompletter C64 Grafik Mode enthalten
    • synchronisierbar mit externer Videoquelle (Genlock)
    • integrierter DMA-Controller (Bit blit)
  • DMA-Custom-Chip „DMAgic“
  • Floppy Disk Controller („FDC“) F011 (CSG 4571 bzw. 4581)
  • Tastatur mit 77 Tasten und abgesetztem Cursorblock
  • SID CSG8580 mit 2 × 3 Stimmen (Kanäle gemixt, keine getrennte Stereo-Ausgabe)
    • getrennte Regelung für Lautstärke, Filter und Modulation
  • Erweiterungsmöglichkeiten: Modulsteckplatz, User-Port, Speichererweiterungs-Anschluss an der Unterseite
  • Ein-/Ausgabe: RGB, Modulsteckplatz, Userport, zwei Joystick-Ports, Fernsehanschluss (TV-Modulator), RGB, Video-Port mit Composite und S-Video-Signal (beinhaltet auch Audio), Serieller Port für Drucker und Diskettenlaufwerke

Prozessor

Als Prozessor wurde mit dem CSG 4510 eine Weiterentwicklung des MOS 65CE02 eingesetzt, da der seinerzeit aktuelle Motorola 68000 keine Kompatibilität zum C64 gewährleisten konnte. Der Prozessor wird mit 3,54 MHz getaktet und hat zwei CIAs vom Typ 6526 integriert. Der ursprüngliche 8-Bit-Befehlssatz wurde um einige 16-Bit-RMW-Befehle erweitert, und relative Sprünge und Unterprogrammaufrufe können ebenfalls mit einem 16-Bit-Offset adressiert werden. Somit ist der CSG 4510 eine um 16-Bit-Funktionen erweiterte 8-Bit-CPU. Da nach wie vor auch der komplette Befehlssatz aus dem MOS 6502 enthalten ist, ist der C65 weitgehend binärkompatibelzum C64. Lediglich einige bekannte unzulässige Opcodes des MOS 6502 funktionieren hier nicht mehr, dafür hat der CSG 4510 andere undokumentierte Features.

Chipsatz

Ähnlich wie der Amiga hat der C65 verschiedene Co-Prozessoren mit besonderen Aufgaben, und ebenso wie beim Amiga hat man diesen eigene Namen gegeben:

  • VICTOR: Hauptprozessor CSG 4510
  • BILL: VIC-III (Grafikprozessor) CSG 4567
  • DMAGIC: DMA-Controller CSG 390957
  • FDC: Diskettenlaufwerks-Controller CSG 4571 bzw. 4581
  • programmierbare PAL-ICs ELMER (ab Rev. 2A) und IGORI (ab Rev. 2B rechts neben Elmer). Ab Rev. 3 zusammengefasst zu einem IC.

(CSG = Commodore Semiconductor Group, vorher bekannt unter dem Namen MOS Technology)